Klassenprojekt: Innenraumgestaltung eines Hausboots


„Leben auf dem Wasser“
Das Titelthema von unserem neuen Projekt klingt nach vielen Dingen, aber nicht nach Langeweile. Für einige Dozenten klingt jedoch nach ZU vielen Dingen, also beschränkt man uns auf Hausboote, schade, aber durchaus Sinnvoll. In den ersten 2 Semestern haben wir noch viel herumspielen können und uns mit viel Phantasie und Kunst jenseits der Realität bewegt. Das war zwar alles ganz toll aber irgendwann muss man die Realität auch mitspielen lassen, sonst ist sie sauer und verwehrt einem wichtige Dinge
… z.B. Geld.


Als wir uns im dritten Semester der Produktdesign-Ausbildung im Rahmen des Fachs „Innenraumgestaltung“ mit Hausbooten beschäftigen sollten, bekamen wir zunächst strenge Regelungen. Es wurde uns gleich in der ersten Stunde ein Plan über den genauen Ablauf ausgeteilt. Wann, was, wo, wieviel, inwiefern … alles war bereits genauestens beschrieben, sodass wir uns möglichst unabhängig voneinander auf unsere Arbeit konzentrieren konnten. Wahlweise in Gruppen aus 2 Leuten oder allein. Die erste Aufgabe war offensichtlich; wir beschäftigten uns erstmal Alle zusammen mit dem Thema Hausboot, um sowohl einen Einblick, als auch einen Überblick in das Thema zu bekommen. Danach ging es ans Eingemachte: man recherchierte, sammelte Ideen und Informationen aus der Welt der Hausboote, skizzierte Designkonzepte und Layouts. Zwischendurch wurden wir immer mal mit Videos zum Thema Hausboot gefüttert. Wir hatten so die Möglichkeit die etablierten Firmen und Hausboote als Inspiration für unser Eigenes zu nutzen.

Nach einiger Zeit hatten wir also einen großen Haufen Material, den wir nun auf einige wenige Vorschläge zusammenpressen sollten. Wir haben diese Vorschläge innerhalb der Klassen besprochen, ließen uns von den anderen Ideen weiter anregen, gaben Uns gegenseitig Feedback, erklärten unsere weiteren Pläne. Als Folge arbeiteten wir diese Handvoll von Konzepten weiter aus, besprachen sie wieder und entschieden uns dann für eins von ihnen. Dieses wurde dann Stück für Stück detailierter: Welche Einrichtung? Intelligente Wassernutzung? stationär oder flexibel? Partyboot oder Einzelheim? Um ein wenig Licht in all diese Fragen zu bringen machten wir einen Exkurs zur Rummelsburger Bucht, die zwischen den berliner Bezirken Lichtenberg und Treptow im Ostteil der Stadt liegt. Dort unterhielten wir uns mit dem Chef einer Firma, die unter anderem Hausboote herstellt und wartet, über den Hausboot-Standort in der Bucht und technische Fragen, die wir angesammelt hatten. Dadurch konnten wir Lösungen für diverse Probleme finden, die sich beim Designprozess ergeben hatten.

Die meisten Punkte auf der Liste hatten wir danach abhaken können. Es fehlten nur noch kleinere Dinge. Wir arbeiteten also an Farbkonzepten und einem Dreidimensionalen Modell unseres Hausbootes mithife des CAD-Konstruktionsprogramms CATIA. Später fertigten wir noch ein echtes Modell im Maßstab 1:20 aus durchsichtigem Plastik (für die Fenster) und „Kapa Mount“, also Platten aus Schaumstoff zwischen Karton-Böden, an. Ebenso wurde ein Moodboard verlangt. Ein Moodboard ist eine Collage aus Bildern, die über Gefühle und Farben vermittelt, was dein Produkt Für Vorzüge hat, welche Zielgruppe es anspricht und wie man sich mit deinem Produkt Fühlt. Es dient einem schnellen Einstieg in die Gedankenwelt, aus der dein Produkt stammt und sorgt für Überschaubarkeit.

Jetzt nur noch schnell Photos machen, Skizzen einscannen, Texte schreiben und alles zu einer Präsentation verarbeiten, mit der man sein Produkt, für das man mittlerweile wochenlang gewerkelt hatte, vorstellen kann. Das ganze am Besten auch noch unter Zeitdruck, denn die Zeit die wir hatten, war beinahe um, aber die Präsentationen noch nichtmal halb fertig. Fieberhaftes Arbeiten überall – jede Pause will genutzt sein, jede verfügbare Zeit, die man noch ergaunern konnte, um 2 Tage vor der großen Präsentation fertig zu werden wurde hart erkämpft und bescherte einigen wohlwollenden Lehrern unvorhergesehende Überstunden, damit der PC Raum nicht dauernd verschlossen ist. Und dann: alles speichern und runter in den großen Hörsaal und einmal bitte vor Aufregung sterben. Jetzt. Denn alle Schüler und Lehrer der Schule, die gerade Zeit hatten oder haben wollten, waren spontan eingeladen worden.

Stunden später dann die Auferstehung. Alles vorbei. Naja fast alles: Nachbesprechung mit den Lehrern. Jeder bekommt hier seinen wohlverdienten Platz zwischen all seiner Leistung und seinem Versagen. Punkte für das Konzept, Punkte für das Modell und die CATIA-Daten, Punkte für’s Präsentieren und dann ab nach Hause und die nächsten Wochen wohlverdient NICHT über Hausboote nachdenken.


Fazit: Ein Projekt mit einer Menge Lerneffekt.
Wer dachte, dass man sich beim Design nur schön was ausdenken muss, fällt hier mehrfach auf die Nase, denn die technische Grundlage will beachtet werden. Viel häufiger fragt man sich nun schon im Vornherein „funktioniert das überhaupt, wenn ich es so baue?“ und auch die Arbeit als Team war für Einige eine Herrausforderung: der schmale Grat zwischen dem gemeinsamen und dem Eigenwillen wird nicht selten zu einer längeren Diskussion. Keine leichte Aufgabe … aber wir haben sie bewältigt.


Author: Marc Mueller
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