Der Stuhl Nr. 14 im Artikelformat

(Kategorie: Messestand)

31.Aug, 2010

intro_stuhl_cafe_g 1.0. Inhaltsverzeichnis


2.0. Vorwort

2.1. Warum ich dieses Thema gewählt habe

3.0. Biographie von Michael Thonet

4.0. Bugholztechnik

5.0. Industrielle Möbelproduktion

6.0. Stuhl Nr. 14

7.0. Quellen

thonet

1.0 Vorwort

Die Endprodukte des Unternehmens stehen mehrfach in jedem deutschen Haushalt. 1943 von Ingvar Kamprad in Schweden gegründet wuchs es immer mehr zu einem Multinationalem Konzern mit rund 123.000 Mitarbeitern Weltweit und mit Jährlichem Umsatz von 21.5 Mrd. € (2009). Der Gründer rangiert auf Platz 5 der reichsten Menschen Weltweit. Ikea ist aus unserer heutigen Zeit kaum noch wegzudenken,braucht man ein Tisch, Stuhl oder Schrank geht man zu Ikea, schraubt diesen zuhause selbst zusammen und erfreut sich über den billigen Einkauf. Ikeas Konzept, die Möbel in Einzelstücken mit einer Anleitung zusammen möglichst klein zu verpacken und zu verkaufen, ist ihr Erfolgsrezept, da der Konzern dadurch enorm an Platz bei der Lieferung einspart und die Produktionskosten ebenfalls gesenkt werden. Somit erzielt Ikea eine Preisdrückung bei jeder Etappe, von der Herstellung bis hin zum Verkauf der Ware. Letztendlich profitiert der Endverbraucher, der so ein Möbelstück nirgends billiger bekommen kann. Die Einfachheit der Möbel ist eins der größten Standbeine Ikeas, denn wenn der Verbraucher seine Möbel nicht zusammenbauen kann, ist der Preis nicht mehr relevant.

Preis, Einfachheit und Idee macht Ikea zu dem was es Heute ist, ein Imperium, welches allerdings nicht das Einzige seiner Art ist. Der Millionenkonzern hatte einen Vorreiter, rund 100 Jahre zuvor gründete Michael Thonet die Werkstatt „Gebrüder Thonet“.

2.0 Wieso ich dieses Thema gewählt habe

Im Englisch Unterricht hatten wir eine Diskussion darüber was denn eigentlich Design nun sei. Trotz vieler sprachlicher Probleme entstand eine hitzige Unterhaltung, da jeder seine eigene Vorstellung von Design hatte. Natürlich war das Grundprinzip „Form follows function“ allen verständlich und einleuchtend aber als die Frage wer bzw. was nun Design erfunden hat wussten viele nicht mehr weiter. Ob es die Neandertaler waren, die Pfeil und Bogen verziert haben, die erste gebaute Vase oder vielleicht doch die industrielle Revolution die Geburtsstunde des Designs war. Meiner Meinung nach war eben letzteres der Ausschlaggebende Punkt, da die Möglichkeit aufgrund von Massenproduktion eine Vielzahl von potenziellen Käufern anzusprechen geben war. Früher wurden immer nur Einzelstücke produziert, auf Wunsch eines einzelnen Kunden und jetzt musste man eine Masse an Menschen ansprechen mit verschiedenen Geschmäckern und Vorstellungen. Neue Ideen sind entstanden und eine Vielzahl von Möglichkeiten waren gegeben um neue Produkte zu kreieren und zu entwerfen. Gegenstände mussten entworfen und geplant werden, sie mussten designt werden. Außerdem waren der Wissenshunger und die Neugier der Menschen aufgrund immer neu auftauchender Erfindungen umso mehr geweckt. Michael Thonet ist ein gutes Beispiel für diese Entwicklung, innerhalb kürzester Zeit entwickelte er von einem kleinen Möbeltischler zu einem internationalen Möbelmonopol mithilfe von Geschäftssinn und einer neuen Idee. Sein Geheimnis war billige aber auch elegante Möbel für jedermann zu produzieren, außer-dem, kreierte er eine komplett neue Möglichkeiten Möbel herzustellen.

michaelthonet

3.0 Biographie von Michael Thonet

Als Sohn eines Gerbermeisters in Boppard 1767 geboren gründete er kurz nach seiner Kunsttischler-Lehre seine eigene Möbeltischlerei in 1819. Thonet versuchte sich möglichst von der steifen Form des Holzes zu lösen und entwarf 1930 die „Bopparder Schichtholzstühle“, wessen Biegungen durch miteinander geleimte Holzlatten erzielt wurde. 1841 stellt er diese Stühle auf eine Ausstellung im Kunstverein in Koblenz aus Der österreichische Staatskanzler,Fürst von Metternich wurde auf ihn aufmerksam und holte Thonet mit den Worten „In Boppard werden Sie immer ein armer Mann bleiben. Kommen Sie nach Wien“, woraufhin er mit seiner Familie nach Wien zog und von 1843-1846 arbeitete er mit seinen Söhnen in der Parkettifrma Carl Leister, wo sie an den Parkettböden sowie der Bestuhlung des Palais Liechtensteins arbeitenden. 1849 gründete er mit seinen fünf Söhnen Franz, Michael, August, Josef und Jakob Thonet wieder eine eigene Möbelwerkstatt.Er arbeitete an der an der Technik Holz zu biegen ohne das Stauchungen oder Risse entstehen und beantragte Patente wie „Jede, selbst die sprödeste Gattung Holz auf chemisch-mechanischem Wege in beliebige Formen und Schweifungen zu biegen“ (1842) oder „Dem Holze durch Zerschneiden und Wiederzusammenleimen jede beliebige Biegung und Form in verschiedener Richtung zu geben“(1852). Seine ersten Erfolge, den Stuhl Nr. 1, präsentierte Thonet bei der Weltausstellung 1851 in London und bekam die Bronzemedaille, dadurch schaffte er sich den internationalen Durchbruch. 1853 eröffneten die „begrüder Thonet“ eine Verkaufsniederlassung im Palais Montenuovo(Wien). Die Firma beschäftigte bis dahin 42 Mitarbeiter und die erste 4PS starke Dampfmaschine wurde in die Produktion mit eingesetzt.

Bei der nächsten Weltausstellung in Paris bekamer für seine Mühen die Silbermedaille  und bereits 1856 eröffnete Thonet in Koritschan eine neue Fabrik, zu welcher ausgedehnte Buchenwälder gehörten, die eine große Bedeutung für die Fabrikation hatten. Diese Fabrik produzierte ab 1857 Einzelteile verschraubbarer Möbel die auch in tropischen Ländern exportiert wurden. Thonet beantragte das Patent „Auf die Anfertigung von Sesseln und Tischfüssen aus gebogenem Holze, dessen Biegung durch Einwirkung von Wasserdämpfen oder siedenden Flüssigkeiten geschieht.“(die Bugholztechnik) um seine neue Produktion, den berühmten Kaffeehausstuhl „Stuhl Nr.14“, der 1859 entstand, zu schützen. Dieser Stuhl wurde bis 1930 über 50 millionen Mal produziert.1860 beschäftigte nun die Fabrik in Kirtschan ca. 300 Mitarbeiter und es wurden täglich ca. 200 Stühle und Möbelstücke produziert. In den letzten Jahren seines Lebens gründete Michael Thonet noch Fabriken und Filialen überall in Europa verstreut bis er schließlich 1871 an den Folgen einer Erkältung starb.


4.0 Bugholztechnik

Thonet_-_Mundus

Traditionelle Tischler versuchen Schwingungen durch sägen, hobeln oder schnitzen aus vollen Holzblöcken zu gewinnen, Thonet aber, versuchte die Verformung, also Biegung des Holzes zu erzielen. Diese Technik war viel preiswerter, sie war einfach Reproduzierbar, so, dass auch angelernte Hilfskräfte diese Arbeit verüben konnten, es war möglich eine Massenanfertigung herzustellen, enormes Materialersparnis, da kaum Holzabfälle entstanden, die Produktionszeit war durch die einfache Produktion extrem verkürzt, das niedrige Gewicht ermöglichte es den Transport zu vereinfachen, der niedrige Kaufpreis lockte Kunden an („Consummöbel“), die Möbel waren aufgrund der Verschraubungen viel haltbarer als herkömmliche Möbel ( Nachziehbar, stabile Konstruktion), das Material wurde elastisch, eine gewisse Formschönheit wurde durch Schwünge und Klarheit bei den Möbeln erzielt und letztendlich wurde die Originalität durch die Neuartigkeit des Verfahrens gegeben. Die zeitgenössischen Tischlerwerkstätten bevorzugten aber eher einen ornamental überladenen Stil, allein in Wien gab es um 1850 ca. 2400 Tischlerwerkstätten, die den Zeitgeschmack, der heute als „MakartStil“ bekannt ist, zu befriedigen.Thonets konsequente Ausnutzung der neuen wirtschaftlichen und technischen Möglichkeiten führte zu seinem Erfolg: die Biegung eines Buchenstabes, so, dass er weder Risse noch Stauchungen besaß. Erst durch studieren und experimentieren wurde eine industrielle Produktion möglich. Eine frühe Methode, verleimte Furnierstreifen eigneten sich nicht so gut wie die ausgeführten Modelle des Stuhls Nr. 14. Bei der Weltausstellung 1851 in London, präsentierte Thonet ein aufwändig aus 8 Furnierschichten, die ebenfalls aus 8 Streifen geschnitten wurden, bestehenden Tischchen. Das Paket bestand also aus 64 Stäben, die nachdem sie in Leim gekocht wurden, beliebig biegen und schweifen ließen. Die Methode des Biegens erwies sich aber als sehr unwirtschaftlich, da sie ein enormes handwerkliches geschickt voraussetzte und ziemlich arbeitsintensiv war. Außerdem, konnte es nicht in feucht warmen Ländern exportiert werden, da das schichtverleimte Holz sehr Feuchtigkeitsempfindlich war. Eines der physikalischen Probleme beim Biegen von Holz sind die verschiedenen Spannungen, auf der äußeren Seite wird auf Zug das Holz belastet, so dass es reißen könnte während das Innere dagegen auf Druck belastet wird, was zu Stauchungen führte, wodurch die Holzfasern ebenfalls brechen oder knicken konnten. Mehrstündiges Bedampfen mit sehr heißem Wasserdampf machte das Holz enorm flexibler, so dass es mit viel Kraftaufwand in die aus Gusseisen bestehenden Biegeschablonen zwingen ließ. Nach dem Trocknen behielt es seine Form und konnte weiterverarbeitet werden. Alle nötigen Anlagen und Formen wurden in den eigenen Werkstätten erstellt. An Schablonendrehbänken, die extrem kompliziert und selbst entworfen waren, wurden die gebogenen Stäbe letztendlich rund gefräst, so konnten sie stellenweise verjüngt oder verdickt werden, je nach konstruktiver Notwendigkeit oder gestalterischer Absicht Schließlich wurde an den für Schrauben vorhergesehenen Stellen Löcher vorgebohrt bevor sie im letzten Schritt lackiert wurden. Die in Europa in großen Mengen verfügbare Rotbuche eignete sich besonders gut für dieses Verfahren, da es flexibel und gleichzeitig Stabil war.

5.0 Industrielle Möbelproduktion

plakat

Aus einem kleinen Einmannbetrieb hat Michael Thonet über die Jahre, zusammen mit seinen Söhnen, ein Firmeniperium erschaffen mit Werken und Niederlassungen überall verteilt auf der Welt. Die Betriebe boten zeitweilig über 6000 Menschen Arbeit. Nicht nur Kreativität und handwerkliches Geschick waren die Haupteigenschaften Thonets, sondern auch als erfolgreicher Geschäftsmann mit besonderem Feingefühl für weitblickende Projekte machte er sich zu einem

feststehenden Begriff in der Möbelmassenproduktion.Fürst Metternich erkannte schon früh sein Talent und riet ihm mit den Worten „In Boppard werden Sie immer ein armer Mann bleiben, gehen Sie nach Wien“ nach Wien umzuziehen. Durch Empfehlungen seines Fürsprechers verschaffte Tonet sich wegbereitende Kontakte. Innerhalb weniger Jahre expandierte er zu einer international operierenden Firma. Die Standortwahl seiner Werke waren nicht zufällig, durch verkürzte Transportwege des Holzes wurden Kosten eingespart, außerdem senkte er die Lohnkosten durch Anlernen ungelernter Arbeitskräfte. Die Stühle waren so gefragt, dass in kurzer Zeit etliche Kopien in Umlauf waren, deshalb wurden die Originalstühle ab 1849 mit Brandzeichen markiert. Pro Jahr wurden über 865.000 Bugholzstühle in den Fabriken von Böhmen, Mähren, Ungarn und Russland pro Jahr produziert.Thonet hinterlies nach seinem Tod 3 Fabriken (Koritschan (erbaut 1856), Bisritz (erbaut 1861), Gross-Urgócz (erbaut1868) mit Insgesamt 18 Filialen. Außerdem existierten Verkaufshäuser in Wien, Budapest, Brünn, Berlin, Hamburg, Amsterdam, Paris und London.Im Laufe seiner Karriere bekam Thonet etliche Auszeichnungen und Ehrungen: das Ritterkreuz, das goldene Verdienstkreuz und die Krone des Franz-Joseph Ordens und den mexikanischen Guadeloupe-Orden. Bis 1871 bekam die Firma Thonet zahlreiche Auszeichnungen:


• 1851 Die Bronzemedaille bei der Weltausstellung in London

• 1854 Die Bronzemedaille bei der Allgemeinen deutschen Industrieausstattung in München

• 1855 Die Silbermedaille bei der Weltausstellung in Paris

• 1862 Die Bronzemedaille bei der Weltausstellung in London

• 1862 Die Silbermedaille bei der Niederösterreichischen Gewerbevereinen in Wien

• 1864 Die Große Silbermedaille bei der Ausstellung in Linz

• 1865 Die Bronzemedaille bei der internationalen Ausstellung in Dublin

• 1865 Die Silbermedaille bei der Ausstellung in Salzburg

• 1865 Die Bronzemedaille bei der Gewerbe-Industrieausstellung in Stettin

• 1865 Die Silberne Medaille bei der internationalen Ausstellung in Köln

• 1866 Die Silbermedaille bei der Land-und Forstwirtschaftlichen Ausstellung in Wien

• 1876 Die Silbermedaille bei der Landwirtschaftlichen AUstellung in Salzburg

• 1867 Die Goldmedaille bei der Weltausstellung in Paris

• 1869 Die Silbermedaille bei der Internationalen Gartenbauausstellung in Hamburg

• 1869 Die Goldmedaille bei der internationalen Ausstellung in Amsterdam

• 1869 Die Goldmedaille bei der Austellung in Altona

6.0 Der Stuhl Nr. 14

„In dem Bestreben, dem Artikel durch Einführung billiger Consumsorten eine grössere Verbreitung zu verschaffen und ihn allgemein zugänglich zu machen, hat die Fabrik Koritschan im Jahre 1859 jene Typ geschaffen, welche als Sessel Nr. 14 der Hauptkonsumartikel der Thonet’sehen Industrie geworden und geblieben ist.“(Gedenkschrift von 1896).

Dieser Stuhl, einer der meist produzierten Sitzmöbel der Welt, ist der Grundstein für das Thonet Imperium gewesen. Der Stuhl Nr. 14, heute bekannt als Modell 214, ist eins der erfolgreichsten Industrieprodukte überhaupt und gilt als der traditionelle Stuhl der Wiener Kaffeehäuser. Bis 1930 wurde der Stuhl bereits 50 Millionen Mal produziert und verkauft. Er kostete damals 8,50 Mark. Selbst das Restaurant auf dem Pariser Eiffelturm ist ein Kunde von Thonet gewesen. Der Stuhl gilt als Inbegriff der Bugholztechnik. Er vereint Formschönheit, Funktionalität, Materialersparnis, Erschwinglichkeit und Haltbarkeit.

Wieso ich diesen Stuhl als Vorreiter des Ikea- Ideologie ansehe, ist ganz einfach, denn er wurde nach dem Bausatzprinzip in Einzelteilen als flaches Paket in die gesamte Welt verschickt und erst vor Ort erst montiert. Innerhalb eines Kubikmeters, ließen sich 36 Stühle transportieren Die sonst übliche Verleimung verfiel denn die Verbindungen wurden verschraubt,wodurch die Lebensdauer des Stuhls verlängert wurde, da die Schrauben immer wieder nachgezogen werden konnten. Er ist so, stabil, dass die Legende entsandt, ein Stuhl sei aus 57 Metern gefallen und sei nicht kaputtgegangen.

Der Stuhl, der letztes Jahr seine 150 Jahre feierte bestand nur aus 6 Teilen-der Rückenlehne mit den hinteren Beinen, der Rückenstütze, dem Sitzring, dem Fußreifen und den beiden vorderen Beinen, 10 Schrauben und zwei Muttern.3879559657_0c013de801

Viele renommierte Designer und Architekten lobten diesen Stuhl mit den größten Tönen. Der portugiesische Architekt Alvaro Siza sagte: „Es ist immer noch ein Stuhl, der aussieht wie ein Stuhl. Es ist der Stuhl“. Die französischen Designer Roman und Erwan Bouroullec beschrieben ihn mit den Worten: Vom Thonet 14 geht eine unbegreifliche Sinnlichkeit aus, die das Verlangen nach ihm schürt“. Poul Henningsen, ein dänischer Architekt, sprach vermutlich das größte Lob aus; „wenn ein Architekt einen solchen Stuhl fünfmal so teuer, dreimal so schwer und ein Viertel so schön entwerfen würde, dann könnte er sich noch immer einen Namen machen.“.


Author: Jules - verfasst am 31. August 2010.
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