Menschliche Wahrnehmung: Riechen

Riechen – olfaktorische Wahrnehmung

Eine der grundlegenden Wahrnehmungen des Menschens ist das Riechen.
Wahrnehmung von Gerüchen wird auch als olfaktorische Wahrnehmung bezeichnet.
Der komplexe Geruchssinn wird von der Osmologie oder auch Osphresiologie erforscht.
Daran sind zwei sensorische Systeme beteiligt: das olfaktorische und das nasal-trigeminale System.
Geruch und Geschmack interagieren und beeinflussen sich gegenseitig.
Der Geruchssinn ist der komplexeste chemische Sinn.
Die Geruchsrezeptoren der Wirbeltiere sind in der Regel in der Nase lokalisiert.
Der Geruchssinn ist bei der Geburt vollständig ausgereift.
Eine weitere Eigenschaft des olfaktorischen Systems beim Menschen ist, dass es alle 60 Tage durch
Apoptose (eine Form des programmierten Zelltods) erneuert wird. Dabei sterben die Riechzellen ab und werden durch Basalzellen erneuert.
Die Axone wachsen dabei ortsspezifisch, das heißt die neuen Axone wachsen an die Stellen, die durch die
alten frei werden.

1.Aufnahme des Geruchsmoleküls

In der Riechschleimhaut kommt es zur Anlagerung
der Geruchsmoleküle an Rezeptormoleküle.
Diese bilden eine spezifische Matrix auf der
Oberfläche des Riechepithels. Die Riechköpfchen
eines cilientragenden Rezeptors ragen in
die äußere Riechschleimhaut hinein. Durch die
Bindung des Liganden ( z.B: Duftmolekül ) an
den Rezeptoren wird ein G-Protein aktiviert.
Dieses leitet eine Kaskade ein, bei der der zyklische Botenstoff cAMP (Adenosinmonophosphat)
dafür sorgt, dass die Zelle depolarisiert. Die
Axone der Rezeptorzellen, die durch die Löcher
des Siebbeins ins Schädelinnere gelangen,
leiten die Aktionspotentiale weiter an den
Bulbus olfactorius ( Riechkolben ), eine Ausstülpung
des Gehirns. Hier konvergieren mehr
als 1000 Axone auf ein nachfolgendes
Neuron, was für eine enorme Datenreduktion
sorgt. Das Aktionspotential wird über den Bulbus
olfactorius direkt ins Telencephalon geleitet.

2. Gedächtnisinhalte und Emotion des Geruchs

Gedächtniseinspeicherung:
Von der Riechschleimhaut zum Bulbus
olfactorius über die Stria lateralis zur
Area praepiriformis ( primäre Riechrinde)
zum Hippocampus
( Einspeicherung von Gedächtnisinhalten).

Emotion:
Von der Riechschleimhaut zum Bulbus
olfactorius über die Stria lateralis
zur Amygdala zum Hypothalamus,
dort weiter zum basalen Vorderhirn und zum
orbitofrontalen Cortex.

Geruchsidentifikation:
Von der Riechschleimhaut zum Bulbus
olfactorius über die Stria lateralis zur
primären Riechrinde und Weiterverschachtelung
zum Thalamus und orbitforntalen Cortex.

3. Geruch Wahrnehmung

Die hedonische Bewertung von Riechstoffen im Gegensatz zu den Geschmacksstoffen wird beim Menschen
weitgehend in den ersten 5–10 Lebensjahren erlernt. Während Neugeborene durch mimische Reaktion deutliche
Lust- beziehungsweise Unlustreaktionen auf Reize durch Saccharose (süß) beziehungsweise Koffein
(bitter) zeigen, sind die Reaktionen bei Gerüchen häufig indifferent. Fäkalien-, Frucht- oder Schweißgeruch
werden hedonisch wenig differenziert.

Die Rezeptoren der einzelnen Sinneszellen sprechen jeweils auf einen Duftstoff an, es gibt gut 400 unterschiedliche
Rezeptoren beim Menschen (bei Hunden oder Ratten sind es über 1000 verschiedene).

Wahrnehmungsschwelle:
* Nur vier Milligramm des in Knoblauch enthaltenen Methylmercaptans in 108 m³ Luftgenügen, um die Empfindung hervorzurufen.
* Ein Milligramm Vanille pro 1000 m3 Luft genügt, um einen Riecheindruck hervorzurufen.
* Im Rahmen der „unterschwelligen Werbung“ sind gelegentlich Versuche mit olfaktorischen Reizen erfolgreich gewesen.

Während Menschen etwa 10.000 Gerüche unterscheiden können, können Ungeübte nur etwa 50 % der
Gerüche korrekt benennen. Durch Training lässt sich die Trefferquote auf 98 % steigern. Meistens spielen
persönliche Erfahrungen, die wir an einem bestimmten Ort mit dem Geruch gemacht haben oder Ereignisse,
die wir mit dem Geruch assoziieren, eine Rolle (episodisch-autobiographisches Gedächtnis). Die Bewertung
eines Geruchs findet vor der eigentlichen Geruchserkennung statt.

4. Einfluss auf Gerüche

Die Duftwahrnehmung ist stark beeinflusst vom Hormonstatus und der Motivation. Beispielsweise führt Hypogonadismus häufig zu weitgehender Anosmie (dem Verlust des Geruchssinns), ein hoher Östrogenspiegel
zu erhöhter Geruchssensibilität oder Sättigung mit Nahrung zu einer Änderung der hedonischen Bewertung
von Gerüchen.

Pheromone
Pheromone sind Duftstoffe, die unbewusst wahrgenommen werden (sind also unterhalb der Wahrnehmungsschwelle).
Sie können fortpflanzungsbezogene physiologische Vorgänge oder entsprechendes Verhalten beeinflussen.
Im Gegensatz zu der größtenteils bewussten Geruchsaufnahme durch den Bulbus olfactorius und
das primäre olfaktorische System werden die Effekte von Pheromonen meist, doch nicht immer vom vomeronasalen
Organ vermittelt. Dieses besteht aus einer kleinen Gruppierung sensorischer Rezeptoren, um einen
Beutel angeordnet, der durch einen Gang mit der Nasenöffnung verbunden ist. Pheromone haben Einfluss
auf Sexualverhalten, Sympathie und Antipathie und soziale Kontakte. Das Vomeronasalorgan findet sich nur
bei einem Teil der Menschen. Geruchsforscher bezweifeln, dass das Organ funktionstüchtig ist. In der Regel
wird es noch in der Embryonalperiode zurückgebildet.

Der Menschliche Organismus kann einen Geruch unterdrücken oder neutralisieren.
Wenn ein Fischverkäufer den ganzen Tag mit dem Fischgeruch konfrontiert wird, nimmt er diesen Geruch nicht
mehr wahr.
Je nach Pausenlänge und Dauer der Konfrontation mit den Geruch kann der Geruch wieder aufgenommen werden.

5. Was löst Gerüche aus ?

Konditionierung in der Olfaktorik
Beim Menschen können manche unangenehme Gerüche Schutzreaktionen wie zum Beispiel Würgereflexe
auslösen. Der enge Zusammenhang der anatomischen Verbindung des Geruchssinns mit dem limbischen
System und dem Hypothalamus stellt dabei eine Sonderstellung in Lernprozessen dar: Anders als bei der
klassischen Konditionierung können die Zeitabstände zwischen konditioniertem Stimulus (Geruch) und
unkonditioniertem Stimulus (Erbrechen) extrem ausgedehnt werden. Trotz langer Intervalle kommt es zu
einer konditionierten Reaktion (zum Beispiel Ekel) auf einen neutralen Reiz (zum Beispiel Umgebung der
Nahrungsaufnahme). Ein Beispiel hierfür wäre, wenn Menschen unter Übelkeit leiden, wenn sie Fischgeruch
riechen, nachdem sie Jahre zuvor einmal verdorbenen Fisch gegessen haben. Es handelt sich bei dieser
leichten Konditionierbarkeit der chemischen Sinne um ein genetisch vorbestimmtes Lernen.

Gerüche werden mit Bildern im Gehirn abgespeichert.
Obwohl wir nur das Bild sehen, können wir einen Geruch aus dem Gedächnis
aktualisieren.
Wenn wir mit geschlossenen Augen einen vertrauten Geruch wahrnehmen,
entsteht in unserem Kopf ein Bild von diesem Objekt.
Auch ein vorhandender Geschmack kann hervorgerufen werden.

Weitere Wahrnehmungen:
-Schmecken  = Artikel von Marco Sparmann
-Hören
-Fühlen
-Sehen
-Zeit


Author: Philipp Jahn
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